Theater Neu-Ulm
Wir glauben: Es gibt nichts Schöneres als Theater - Lachen da die Hühner? "Theater auf Krankenschein" - subito!

Theater macht gesund.

In der Titelgeschichte "Heilung, die von innen kommt" berichtet das "Wissen"-Ressort der "ZEIT" vom 21. Juli 2011 über Werkzeuge einer regenerativen Medizin. Und da findet sich unter anderem der Satz:

"Gerade erst fand eine norwegische Studie an 50.000 Teilnehmern heraus, dass auch Theater- und Opernbesuche die Gesundheit verbessern können."

"Lachen ist gut für die Blutgefäße." Studie der Universität von Maryland

"Lachen scheint vor Schmerzen zu schützen" Studie der Universität Oxford

2007 ist die Stadt Ulm im Ranking der Zeitschrift "Healthy Living" die Nummer 1 - die "gesündeste unter den deutschen Großstädten". Grundlage: mehr als 3600 Einzeldaten, aus denen die Medizinische Hochschule Hannover für die 81 deutschen Städte mit mehr als 100 000 Einwohnern Gesundheitsindexe ermittelt hat. Ulm bekommt zwar in einer Schulnotenskala von 1 bis 6 in etlichen Bewertungen die Note sehr gut, ist aber auf keinem Feld absolute Spitze. Das beste Gesamtergebnis resultiert also aus guten Durchschnittswerten. Die Autoren von "Healthy Living" führen sechs Gründe ins Feld, warum Ulm der Preis "Gesündeste Stadt 2007" gebührt.

Einer dieser sechs Gründe, weshalb Ulm die gesündeste Großstadt ist:

Die Kulturfreude: Ein Stadttheater und neun weitere Bühnen locken jeden Ulmer und jede Ulmerin 1,75 Mal pro Jahr ins Theater - das schlägt alle anderen Städte um Längen.

Kein Wunder: Ulm hat das älteste Stadttheater Deutschlands. Und dann dürfen wir vom AuGuSTheater ja nun sagen, wir tragen sehr zur Gesundheit der Ulmerinnen und Ulmer bei - für Ulm übrigens kostenfrei (!).

Wir haben das Thema "Theater und Gesundheit" ja schon seit langem entdeckt, zum Beispiel "Lachen als Prophylaxe". Jetzt haben wir entdeckt: Unsere Idee wurde geklaut: Es gibt inzwischen "Theater auf Rezept".

Als wir die Grundidee geboren hatten, wollte die Politik uns nicht ernst nehmen. An sich lächerlich, aber was willst Du machen...

Theater auf Krankenschein!
Eine Schnapsidee? Nein!



Da sieht man, dass die Idee "Theater auf Krankenschein"total up to date ist.

Aber bis das mal jemand kapiert...

Eine Lachnummer für sich ist, was offizielle Stellen (Ministerien) dazu zu sagen hatten - bis sie sich a Ende hilflos ausschwiegen...


Entnehmen Sie dem hier dokumentierten Briefverkehr alles über den Hintergrund dieser Idee und verfolgen Sie, warum nix draus wird.

Weshalb aber unkonventionelle Lösungen dringend geboten sind, sehen Sie hier (drauf klicken zum Vergrößern):

sueddeutsche - Krankheit

aus: Südeutsche Zeitung vom Freitag, 16. November 2007 - Seite 1





Dokumentation eines reichlich abstrusen Briefwechsels

Am 25. März 1997 schrieben wir an Minister Blüm:

Sehr geehrter Herr Minister Blüm,

vor einiger Zeit hatten wir an das Gesundheitsministerium einen Brief geschrieben, in dem wir den Vorschlag gemacht haben, "Theater auf Krankenschein" einzuführen. Der Vorgang ist dann damals zuständigkeitshalber an Ihr Ministerium weitergeleitet worden. Und wir sind dann tatsächlich von Ihrer Seite wieder konsultiert worden.

Leider hat das Projekt eine zeitlang gelegen. Nur scheinbar ist die Zeit darüber weggegangen. "Theater auf Krankenschein" ist nämlich alles andere als eine Sache, welche nur zu Zeiten voller Kassen als Möglichkeit ins Auge zu fassen ist. Ganz im Gegenteil.

Die alte Weisheit "Lachen ist gesund" sollte nämlich endlich einmal ernst genommen werden! Bei uns kostet die Eintrittskarte 18.- DM. Dafür therapieren wir knapp zwei Stunden. Nach der Anwendung geht es den meisten viel besser als vorher. Und das Schöne: Wer regelmäßig kommt, ist voll im Vorsorge-Programm (Prophylaxe).

Eins ist klar: Wir haben festgestellt, dass die Menschen in Flensburg einen anderen Humor haben als die bei uns im Süden. Das ist eine Küchenweisheit. In einem Feldversuch wäre zu ergründen "Worüber lacht der Mensch in...?" Dafür bräuchten wir Ihre Unterstützung. Unser Vorschlag: Sie sprechen mit Krankenkassen quer durch Deutschland, dass die einmalig für bestimmte Mitglieder einen Theaterbesuch auf Krankenschein bezahlen. Und dann könnte ein Forschungsbegleitteam in Kooperation mit uns als künstlerisch-fachlicher Kompetenz Kausalitäten von Lachern ergründen.

Lachhaft? In England gibt es Lachen auf Krankenschein, in USA und Schweden gibt es Lachtherapien. Die Zeitschrift "Psychologie heute" veröffentlicht das Ergebnis von Untersuchungen: "Glück ist keine Glücksache." Heiterkeit lässt sich lernen, aber nicht bloß bei teuren Psychos wie Robert Holden (Oxford), der als Gründer einer Klinik für Stressbewältigung regelmäßig Lach-Seminare und "happiness-workshops" abhält. Nein - Theater ist sogar besser geeignet.

Wir könnten mit Ihrer Hilfe den Beweis antreten: Am besten, Sie laden uns zu einem Vorspiel ein. Dabei sollten Sie, Herr Minister Blüm, aber nicht allein entscheiden, weil Sie offenbar leicht zum Lachen zu bringen sind. Um Sie zu überzeugen, müssten wir mit einer Riege durchschnittlicher Ministerialdirektoren konfrontiert werden. Allerdings sollte deren leichtes Lippenkräuseln schon als erster Erfolg gewertet werden dürfen. Mitbringen von Zitronen, Zaumzeug und Maulkörben würde von uns als not Cricket angesehen werden. Auf jeden Fall aber müssten die jeweiligen Lebensabschittspartnerinnen dabei sein. Die reine Herrenriege lehnen wir ab. Sollten wir in der von Ihnen gewählten Runde reüssieren, könnte dann ein Probelauf vor dem Kabinett stattfinden. Hier müssten die jeweiligen Chefsekretärinnen mit dabei sein, weil das realitätsnäher ist. Auf das Anlegen von Lügendetektoren verzichten wir (nicht GG-konform).

Wäre das eine Basis? Haben Sie andere Vorschläge? Mit freundlichem Lächeln aus Ulm

Ihr AuGuS-Theater-Team

Antwort aus Bonn am 26. März 1997:

Sehr geehrter Herr Koch,

vielen Dank für Ihre Vorschläge bezüueglich "Theater auf Krankenschein". Ihr Schreiben habe ich zuständigkeitshalber an den Bundesminister für Gesundheit, Probsthof 78a, 53121 Bonn, weitergeleitet. Von dort werden Sie weitere Nachricht erhalten.

Mit freundlichen Grüssen
Gerlind Zoder, BMA

Weiteres Schreiben aus Bonn am 27. März 1997:

Sehr geehrter Herr Koch,

ich bitte vielmals um Entschuldigung, die letzte e-mail war ein Missverständnis, Ihr Vorgang ist nicht an das Bundesministerium für Gesundheit gesandt worden, ich werde ihn nochmals zur Beantwortung in unsere Fachabteilung geben. Ich hoffe, dass Sie von dort bald Nachricht erhalten werden.

Mit freundlichen Grüssen
Gerlind Zoder, BMA

Erneutes Schreiben ans Ministerium am 22. Mai 1997:

Sehr geehrte Frau Zoder,

leider haben Sie vergebens gehofft. Bis dato noch keine Antwort. Ob Sie nochmals nachhaken? übrigens hat sich bei uns einiges getan.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Koch
AuGuS-T

Reaktion aus Bonn am 23. Mai 1997:

Sehr geehrter Herr Koch,

ich wollte Ihnen nur mitteilen, daß Fr. Zoder die nächsten vier Wochen in Urlaub ist. Da mir Ihr Vorgang nicht vertraut ist, kann ich Ihnen zur Zeit nicht weiterhelfen. Fr. Zoder ist ab dem 23.06.1997 wieder zu erreichen. Mit freundlichen Grüßen Fr. Lorenz (Vertretung von Fr. Zoder)

Erneutes Schreiben ans Bonner Ministerium am 7. Juli 1997

Sehr geehrte Frau Zoder,

Sie waren im Urlaub. Der war hoffentlich schoen. Waren Sie auch mal im Theater? Und? War's gut? Gesund? In unserer Sache "Theater auf Krankenschein" hat sich nichts getan. Bitte schauen Sie mal wieder bei uns rein (http://www.theater-neu-ulm.de) - da erfahren Sie viel Neues. Ich füge nochmals unseren Brief an Minister Blüm an. Vielleicht ist doch bald eine Antwort des Ministers möglich.

(Als Anlage nochmals der Brief)

Am selben Tag Antwort, die wir mit Kommentaren zurücksandten

Sehr geehrter Herr Koch,

vielen Dank fuer Ihre Nachfrage nach meinem Urlaub, er war sehr schoen.

Prima!

Daß Sie noch keine Nachricht bekommen haben, kann an Ihrer fehlenden Postanschrift liegen. Unsere Abteilungen sind nämlich nicht alle mit Internetanschlüssen versehen. Zudem ist das Bundesarbeitsministerium nicht für Ihr Anliegen zuständig, sondern das Bundesministerium für Gesundheit, an das Sie sich ja schon gewandt haben. Dort sollten Sie nochmals nachfragen mit Angabe Ihrer Postanschrift, denn genau wie bei uns sind auch im Bundesgesundheitsministerium nicht alle Abteilungen mit Internetanschlüssen versehen.

Mit freundlichen Grüssen
Gerlind Zoder, BMA

Liebe Frau Zoder,

Ihre Nachricht ist weniger prima. Wir hatten schon mal das Mißverständnis, daß das Gesundheitsministerium zuständig sei. Sie haben damals sofort reagiert und unsere Initiative im eigenen Hause weitergeben wollen. Dann kam aber nichts.

Jetzt müßte mir doch mal eindeutig gesagt werden, ob ich mich tatsächlich an Herrn Seehofer wenden muß. Übrigens, unsere Anschrift lautet:

AuGuS-Theater Neu-Ulm,
Heidelbeerweg 10
89075 Ulm

Am 8. Juli kam dann folgende e-mail:

Sehr geehrter Herr Koch,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Nach Rücksprache
im Hause muß ich Ihnen leider doch mitteilen,
dass das Thema Theater auf Krankenschein
ausschließlich die Krankenversicherung betrifft, für die das
Bundesgesundheitsministerium zuständig ist. Es tut mir leider, Ihnen
keine andere Antwort zukommen lassen zu können.

Mit freundlichen Grüssen
Gerlind Zoder, BMA

Am 28. Juli schickten wir also einen Brief an Minister Seehofer

An den
Bundesgesundheitsminister
Herrn Horst Seehofer

Bonn Sehr geehrter Herr Minister Seehofer,

vor einiger Zeit hatten wir an Ihr Ministerium einen Brief geschrieben,
in dem wir den Vorschlag gemacht haben, "Theater auf Krankenschein"
einzuführen. Der Vorgang ist dann damals zuständigkeitshalber das
Sozialministerium weitergeleitet worden. Wir sollten weitere
Informationen und Unterlagen liefern, hieß es damals. Wir mußten
die Sache dann eine Zeit ruhen lassen, nahmen aber im Frühjahr
den Kontakt mit dem Sozialministerium wieder auf.
Jetzt heißt es neuerdings wieder, Sie seien zuständig.

Also wenden wir uns an Sie. Gerade in Zeiten leerer Kassen.
Und obwohl Sie soviel am Hals haben. Aber Sie werden sehen:
Die Sache ist nicht "ohne"!

Theater auf Krankenschein? Na klar!

Die alte Weisheit "Lachen ist gesund" sollte nämlich
endlich einmal ernst genommen werden!

Bei uns kostet die Eintrittskarte 18.- DM. Dafür therapieren
wir knapp zwei Stunden. Ein Arzt wendet sich
dem Patienten für diesen Betrag nur wenige Minuten zu.

Wir machen dafür eine komplette Seelen-Massage.
Nachher geht es den meisten viel besser als vorher.
Das haben uns viele jedenfalls schon gesagt. Und das Schöne:
Wer regelmäßig kommt, ist voll im Vorsorge-Programm (Prophylaxe).

Nun ist es natürlich notwendig, unseren Ansatz zu objektivieren.
Wir müßten wissenschaftlich begleitet werden.
Nicht jedes Theater ist für jeden geeignet. Wir haben
auch festgestellt, daß die Menschen in Flensburg
einen anderen Humor haben als die bei uns im Süden.
Das ist eine Küchenweisheit. In einem
Feldversuch wäre zu ergründen
"Worüber lacht der Mensch in...?"

Dafür bräuchten wir Ihre Unterstützung. Unser Vorschlag:
Sie sprechen mit Krankenkassen quer durch
Deutschland, daß die einmalig für bestimmte Mitglieder
einen Theaterbesuch auf Krankenschein bezahlen. Und dann
könnten ein Forschungsbegleitteam in Kooperation mit uns
als künstlerisch-fachlicher Kompetenz Kausalitäten
von Lachern ergründen.

Lachhaft? In England gibt es Lachen auf Krankenschein,
in USA und Schweden gibt es Lachtherapien. Die Zeitschrift
"Psychologie heute" veröffentlicht das Ergebnis von Untersuchungen:
"Glück ist keine Glücksache." Heiterkeit läßt sich lernen,
aber nicht bloß bei teuren Psychos wieRobert Holden (Oxford),
der als Gründer einer Klinik für Streßbewältigung regelmäßig
Lach-Seminare und "happiness-workshops" abhält. Nein -
Theater ist sogar besser geeignet.

Wir könnten mit Ihrer Hilfe den Beweis antreten:
Am besten, Sie laden uns zu einem Vorspiel ein.
Dabei sollten Sie, Herr Minister Seehofer, aber nicht allein
entscheiden, weil Sie offenbar leicht zum Lachen zu bringen
sind. Um Sie zu überzeugen, müßten wir mit einer Riege
durchschnittlicher Ministerialdirektoren konfrontiert werden.
Allerdings sollte deren leichtes Lippenkräuseln schon
als erster Erfolg gewertet werden dürfen.

Mitbringen von Zitronen, Zaumzeug und Maulkörben
würde von uns als not Cricket angesehen werden. Auf
jeden Fall aber müßten die jeweiligen
Lebensabschittspartnerinnen dabei sein.
Die reine Herrenriege lehnen wir ab.

Sollten wir in der von Ihnen gewählten Runde
reüssieren, könnte dann ein Probelauf vor dem Kabinett
stattfinden. Hier müßten die jeweiligen Chefsekretärinnen mit
dabei sein, weil das realitätsnäher ist. Auf das Anlegen
von Lügendetektoren verzichten wir (nicht GG-konform).

Wäre das eine Basis?

Haben Sie andere Vorschläge?

Mit freundlichem Lächeln aus Ulm

Ihr AuGuS-Theater-Team

Am 10. September kam die Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin
beim Bundesminister für Gesundheit, Dr. Sabine Bergmann-Pohl


Sehr geehrter Herr Koch,
sehr geehrte Damen und Herren,
für Ihr Schreiben vom 28. Juli zum Thema "Theater auf Krankenschein" danke ich Ihnen.

bergm.gif Aufgrund entsprechender Erinnerungen der Registratur des Bundesministeriums für Gesundheit liegt mir die Kopie eines Artikels der "Schwäbischen Zeitung" vom 5. August 1983 vor. Nach diesem Bericht hat Herr Theodor Dentler, im Hauptberuf Leiter des Ulmer "Westentaschentheaters", mit seinem Einfall, Theaterkarten auf Krankenschein auszugeben, das "Sommerloch" füllen wollen. Und in der Tat: Herr Dentler hat ein entsprechendes Schreiben am 26. Juli 1983 an die Bundesregierung gerichtet. Da Ihr Schreiben das Datum vom 28. Juli 1997 trägt, haben Sie zwar den Zeitraum von 14 Jahren um 2 Tage überzogen, aber dennoch voll ins Sommerloch getroffen. Insoweit meinen herzlichen Glückwunsch.

Mein Kollege Dr. Jürgen Meyer aus Ulm hat mir am 14. Oktober 1992 mitgeteilt, daß entsprechende Träume über Theaterbesuche auf Krankenschein in seinem Wahlkreis offenbar weiterhin geträumt werden; und er hat mich um eine Stellungnahme dazu gebeten. Da ich nicht genau weiß, ob Ihnen diese Stellungnahme vorliegt, füge ich eine Kopie dieser Stellungnahme bei. Falls Sie sie schon kennen, frischt das möglicherweise Ihre Erinnerungen an Ihre Träume auf.

Dieser Zusammenhang zwischen Erinnerungen und Träumen wird wohl am besten dargestellt durch die letzten Sätze aus Heinrich Spoerls "Feuerzangenbowle":

"Wahr an der Geschichte ist lediglich der Anfang: die Feuerzangenbowle. Wahr sind auch die Erinnerungen, die wir mit uns tragen; die Träume, die wir spinnen, und Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden."

Mit freundlichen Grüßen
S. Bergmann-Pohl

Wir antworteten per Fax am 19. Oktober 1997

Sehr geehrte Staatssekretärin Frau Dr. Bergmann-Pohl,
für Ihr Schreiben vom 10. September danke ich Ihnen.

Es ist, wie Sie sich denken können, für uns eine große Freude, daß Sie sich als Stellvertreterin des Ministers persönlich der Sache so annehmen. Ganz überrascht sind wir, wieviel Sie vom Träumen wissen. Deswegen erlauben wir uns, Sie auf das Buch von Erich Fromm "Märchen, Mythen, Träume" aufmerksam zu machen. Es ist zwar nicht so vergnüglich wie die "Feuerzangenbowle", aber sehr unterhaltsam und auch lehrreich. Fromm sagt darin unter anderem, daß wir erst dann und nur dann frei sind, wenn wir schlafen, weil wir uns dann von den Fesseln der Sinne lösen und unser Unterbewußtsein unbefangen arbeitet.

Zu der Geschichte der Idee von "Theater auf Krankenschein" nur ganz kurz: Ich war 1983 erheblich beteiligt, diese Idee auszuformen. Ich erinnere (!) mich noch sehr, sehr gut an den Theaterabend, an dem eine Frau nach der Vorstellung im Zuschauerraum sitzenblieb, um mit uns zu sprechen und uns zu danken. Sie habe chronisch große Schmerzen. Aber ein solcher Abend lindere ihre Schmerzen und das halte auch einige Zeit an. Da zufällig am selben Abend auch der damalige Chef der Ulmer AOK anwesend war und ebenfalls nicht sofort das Theater verlassen hatte, kam die Idee auf, er müsse doch der Frau die Theaterbesuche auf Krankenschein ermöglichen, weil er so viel Geld sparen könne. Er spielte mit und stellte wenig später einmalig einen Krankenschein aus, wobei er den Betrag sicher aus der eigenen Tasche gezahlt hat.

Was die im Spoerlzitat erwähnte Wahrheit angeht, verweisen wir spaßeshalber auf Paul Watzlawicks Buch "Die erfundene Wirklichkeit. Wie wir wissen, was wir zu wissen glauben.". Sehr spannende Lektüre für alle Realisten.

"Sommerloch": Der Brief an Sie ist eine Folge des im März begonnenen regen Briefwechsels zwischen uns und dem Sozialministerium. Das war unseres Wissens für das Thema Krankenschein zuständig. Wir erinnerten uns jedenfalls, daß Ihr Ministerium im Jahre 1983 geschrieben hatte, die Sache sei zuständigkeitshalber ans Sozialministerium gegangen. Von dort waren wir dann gebeten worden, mehr Unterlagen zu schicken. Als ich - zugegeben nach langer Zeit und trotz Ihrer Antwort auf Professor Meyers Anfrage - das Sozialministerium nun im März 1997 wieder angeschrieben hatte, kam nach einigem Hin und Her raus: Das Seehofer-Ministerium ist tatsächlich zuständig. Weil mir die Sache mit dem Spaß ernst ist, habe ich vermieden, den Vorgang presse- öffentlich zu machen. Im übrigen gibt es doch gar kein Sommerloch mehr. Dafür sorgen die Politiker. Das war besonders 1997 so.

Obwohl ich keine Hoffnung habe, der Kern unseres Anliegens könnte doch noch erkannt werden, schicke ich Ihnen die Abschrift eines Artikels mit, der vor einigen Tagen in der SüDWEST PRESSE (5.größte deutsche Abo-Zeitung, 430.000 Auflage) abgedruckt war: Kunst im Krankenhaus - nicht zur ästhetischen Erbauung, sondern als Heilmittel . Immer mehr Krankenhäuser haben Erfolg damit. Statt eine weitere Dosis Aspirin zu schlucken, lauscht der Schmerzpatient dem Klang der Violine. Ein anderer Patient, der zum ersten Mal aufstehen darf, wandelt auf dem langen Korridor der Klinik und betrachtet die ausgehängten Gemälde. Das Leben im Krankenhaus menschlicher zu gestalten und den Heilungsprozeß zu beschleunigen, ist das Ziel von künstlerischen Veranstaltungen, die mehr und mehr Einzug in die Kliniken nehmen.

"Kunst im Krankenhaus" heißt die Aktion, die vom Bundesverband Kultur und Gesundheit "Medi-Art" schon seit eineinhalb Jahren professionell betrieben wird.

Der Verband betreut bereits 80 Mitglieder, überwiegend Krankenhäuser, aber auch Alten- und Kinderheime. "Wenn sich die Patienten entsprechend ihrer Umstände wohlfühlen, schreitet die Genesung schneller voran", betont die Vorsitzende des Verbandes, Regina Bollinger. Ob Kunstausstellungen in Krankenhausfluren, ob Theaterstücke, Konzerte oder Werkstätten für eigene künstlerische Betätigung der Patienten - alles hat therapeutische Wirkung.

Iinzwischen erkennen auch die angesprochenen Institutionen die Bedeutung dieser Aktion. "Die Reaktionen sind durchweg positiv, denn durch die Kunstwerke haben die Patienten Gelegenheit, über andere Dinge als nur über ihre Krankheit zu sprechen", bestätigt Rainer Wienhöwer, Chefarzt der Golzheimer Klinik in Düsseldorf.

Die Kinderklinik in Freiburg hat ein "Kinder-Kultur-Bonbon" zur Unterhaltung der kleinen Patienten aufgebaut und das Evangelische Krankenhaus in Mülheim/Ruhr eine Kunstwerkstatt eingerichtet, in der die Patienten selbst zu Pinsel und Farbe greifen.

Wir finden das ausgesprochen interessant. Es geht genau in die Richtung, die wir meinen.
Mit freundlichen Grüßen
das AuGuS-Theater-Team.

Nachdem so gar keine Resonanz mehr erfolgte,
schrieben wir am 1. Juli 1998 folgende
eMail an die Parlamentarische Staatssekretärin:


Sehr geehrte Frau Staatssekretärin,
Sie erinnern sich bestimmt gern an unseren Briefwechsel, den Sie ja leider abgebrochen haben, nachdem wir nochmals auf Ihren letzten, sehr sarkastischen Brief geantwortet hatten. Sie hatten unterstellt, uns ginge es um eine Sommerloch-Geschichte, während wir einen konstruktiven Beitrag leisten wollten. Jetzt darf ich Ihnen nochmals einen Zeitungsartikel senden, welcher am letzten Samstag, 27. Juni 98 in der Südwest Presse Ulm auf der Seite "Mensch und Gesundheit" abgedruckt worden ist. Ich kann natürlich nix dafür, daß die Politik so unspannend ist, daß die drittgrößte deutsche Abo-Zeitung jetzt schon beginnt, das Sommerloch zu füllen.
Wir indes hatten ja damals überhaupt nicht die Presse eingeschaltet, hatten also zunächst eine konspirative Verbindung mit Ihnen aufgenommen. Letztlich wäre es auch gar nicht darum gegangen, daß die Kassen sofort Rezepte bezahlen. Aber eins ist doch klar: So wie das Gesundheitswesen bisher läuft, ist es eine Krankheit.
Gute, wirkungsvolle Therapien (Klassische Homöopathie, Lach-Therapie) kann sich nur der Begüterte leisten.
Wer kein Geld hat, muß das in Anspruch nehmen, was von den Gesetzlichen so angeboten wird. Und das, das kommt uns alle zu teuer und hilft vielfach nicht. Die Zusammenarbeit mit uns wäre innovativ gewesen.
Wir haben auch etwas anderes nur scheinbar Dummes in Ulm und drumherum angeregt: die Lobby-Card.
Damit können solche, die unterhalb eines bestimmten Einkommensniveaus liegen (und etwas sind, was es in D gar nicht gibt, nämlich arm), Vieles günstiger bekommen. (Bitte nachlesen im Internet http://www.ulm.org/augus-t unter "Theater hat Folgen. So, jetzt hatten Sie wieder mal Kontakt mit einem Bürger, der denkt. Und hier der Artikel: Viel Spaß beim Lesen - und hoffentlich Nachgedanken!
Mit freundlichen Grüßen
Heinz Koch, AuGuS-Theater Neu-Ulm
Heidelbeerweg 10
89075 Ulm

STUDIE / Spaßmacher auf Platz vier

Clowns im Krankenhaus - ein Pflaster für die Seele

Erster europäischer Klinikclowns-Kongreß in Münster

VON ANNETTE VORPAHL / Südwest Presse (Ulm) vom 27. Juni 1998

Es gibt sie nicht auf Rezept. Aber ihre Wirkung ist durchschlagend. Risiken und Nebenwirkungen sind eher angenehmer Art: Clowns im Krankenhaus. Immer mittwochs "behandeln" sie ihre kleinen Patienten auf der Dialyse-Station der Uniklinik Freiburg. Dick ausgestopft, mit leuchtend roter Nase, Plüsch- Hausschuhen und im Nachthemd flitzt Clownin Floh alias Andrea Weber vom Galli-Theater über die Flure.

Mit einer Studie belegten während des weltweit ersten "Clinic-Clowns-Kongresses" am Universitätskrankenhaus Münster die Chefärztin der Berliner Kinderklinik Buch, Monika Schöntube und der Psychologe Joachim Meincke, was längst bekannt ist: Die kranken Kinder lieben die dummen Auguste.
"Sie fühlen sich den Clowns verbunden. Dadurch ertragen sie ihr Schicksal deutlich leichter", berichtet Dr. Schöntube.

Auf den drei Stationen Onkologie, Rheumatologie und Diabetes sind alle kleinen Patienten chronisch bis akut lebensbedrohlich erkrankt. Von 54 befragten Kindern fühlten sich die meisten am wohlsten, wenn die Clowns auftauchten. Bei der Frage, wer ihnen helfe, ihre Krankheit zu bewältigen, landeten die Spaßmacher nach Eltern, Schwestern und Ärzten auf Platz vier.

"Subtiles Eingehen" auf das einzelne Kind versteht sich von selbst bei den Clowns. Ein fertiges Programm wie im Zirkus spult keiner ab. Die Komiker sind gut informiert über ihre "Zuschauer", unterliegen einer Schweigepflicht und dokumentieren ihre Visiten. Neuerdings steigen sie sogar bis in den Operationssaal hinab. Wacht der kleine Patient aus der Narkose auf, ist schon einer da, der Mutter oder Vater zumindest kurzzeitig ersetzen kann.

Der therapeutische Humor ist an den europäischen Kliniken auf dem Vormarsch - das bewiesen die rund 90 Künstler mit ihrer Teilnahme am ersten Clinic-Clowns-Kongreß. In Deutschland stehen Ärzte und Klinikpersonal dem Spaß im Krankenhaus am verhaltendsten gegenüber. Die speziell ausgebildeten Botschafter der guten Laune müssen nicht selten um Anerkennung streiten. Oft würden sie mißverstanden als Kritik an der Arbeit des Arztes oder der Pflegekräfte.

"Der Clown ist nicht der Konkurrent des Arztes. Er ergänzt und erleichtert die pflegerische Tätigkeit", stellt Christian Heeck von den Kliniken der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster klar, die sich mit ihm sogar einen eigenen Kulturreferenten leisten. Sein Klinikum, das von nun an als Zentrum der europäischen Klinikclowns gilt, bietet schon seit 1993 "Theater im Flur", läßt den "Chor der Stimmlosen" erklingen, bringt "Mozart ans Krankenbett" und die Clowns in die Kinderambulanz.

"Lachen ist die beste Medizin" - das findet Christian Heeck zwar auch. "Krankenhaus macht krank" hört er jedoch lieber. Bestätigt fühlen dürfte er sich von allen, die einmal die berühmten Nebenwirkungen des Krankenhausaufenthaltes am eigenen Leib erfuhren: Zwang zur Untätigkeit, Einengung wesentlicher Lebensmöglichkeiten, das Gefühl von Passivität und Fremdbestimmung. Mit der Kultur will Heeck die Kliniken als Lebensraum für Menschen zurückgewinnen, ihnen zurückgeben, was verloren scheint: den Patienten eine Stimme verleihen, Begegnungen stiften, den Einzelnen in seinen gesunden Anteilen ansprechen. Das münstersche Kulturreferat ermutigte mittlerweile mehr als hundert Kliniken in der Bundesrepublik, Klamauk in die Korridore zu holen.

Der Spaß, so befand der Berliner Ärztekammerpräsident Dr. Ellis Huber, komme bei der heute angewendeten medizinischen Wissenschaft zu kurz. Die Medizin sei zu technisch geworden, sie habe sich zu sehr vom Menschen entfernt, und sie sei zu teuer geworden.

Wer wäre da nicht besser geeignet als der Clown, die Seelenlage des Kranken aufzugreifen, zu spiegeln und sich zum Verbündeten des Patienten zu machen?

Lachen bewirkt wahre Wunder im menschlichen Körper. Über 300 Muskeln soll es ansprechen, das Immunsystem stärken, den Schmerz lindern, Herz und Kreislauf kräftigen. Während eines spontanen Heiterkeitsanfalls schüttet der Körper glücksbringende Hormone, sogenannte Endorphine, aus.

Sogar eine Wissenschaft etablierte sich mittlerweile rund ums Lachen: die Gelotologie. Die Humorforschung findet allerdings zwiespältiges Echo. Die einen, wie Ärztekammerpräsident Huber, betrachten sie als ernstzunehmende wissenschaftliche Disziplin. Nach dem Erfolg des Clowns-Projekts regte er sogar einen "Beauftragten der Ärztekammer Berlin für Lachmedizin und Humortherapie" an. Andere wie der Münsteraner Kulturreferent meinen, die Wirkung des Lachens sei nicht mit Studien zu beleggen. Er sieht das Lachen lieber als "frei fluktierenden Virus als ein im Reagenzglas festgehaltenes Bakterium".

Daß die Spaßmacher in Weiß es durchaus ernst meinen, formulierte Michael Christensen aus den USA während des Kongresses. Der Vater der Clinic-Clowns-Bewegung und Leiter des Big Apple Circus in New York stellte klar: Der Schauspieler bedarf einer erstrangigen Ausbildung. Er muß aus dem Herzen arbeiten und dem Kind zeigen, daß es mit seiner Krankheit nicht allein ist, "die größte Aufgabe des Klinikclowns".

Es kam nie eine Antwort

Am 25. Februar 2001 haben wir die neue Ministerin Ulla Schmidt angeschrieben

Sehr geehrte Frau Ministerin Schmidt,

Ulla Schmidt Sie haben ja inzwischen einen Ruf wie Donnerhall.
In kürzester Zeit haben Sie alle Medien auf Ihre
Seite gebracht.
Überall wird dann auch gesagt, daß Sie gern
lachen.
Das ist gut und läßt weiterhin blendende
Gesundheit prognostizieren.

Wie wir drauf kommen?

Lesen Sie doch bitte unseren Briefwechsel mit
Ihren Vorgänger(inne)n, veröffentlicht im Internet hier

Sie sehen auch an der dazu verlinkten
Dokumentation, daß unsere vor 20 Jahren geborene
Idee alles andere als doof ist.

Vielleicht reizt Sie nach dieser Lektüre auch
noch, was wir veröffentlicht haben unter
http://www.theater-neu-ulm.de/cmsroot/heinz-koch/homoeopathie

Viel Spaß

Theater Neu-Ulm

Auch hier wieder: keine Antwort!
Absolut lächerlich!






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